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Plenarvortrag

Faserverbunde im Fahrzeug - eine Lebensdauer oder darüber hinaus?

Freitag (28.06.2019)
09:00 - 09:40 Uhr

Kunststoffbasierte Faserverbunde können im Fahrzeugbau in verschiedensten Anwendungen eingesetzt werden. Die positiven Leichtbaueigenschaften, die sich in hoher Steifigkeit und Festigkeit bei niedriger Dichte ausdrücken, werden jedoch meist aufgrund der hohen Kosten nicht genutzt. Effekte können insbesondere in Anwendungen erzielt werden, die die spezifischen Eigenschaften adressieren. Dazu zählen Funktionsintegration, günstige Werkzeugkosten und Anwendungen, in denen die Masse des Bauteils eine hohe Relevanz hat. Weiterhin liegt der Fokus häufig auf der Verbindung der Faserverbunde mit metallischen Bauteilen sowie der Herstellung von Hybridstrukturen. Entwickelt werden bislang zumeist Teillösungen im High-End-Bereich. Diese leisten schon heute wichtige Beiträge zur Steigerung der Performance sowie der Einsparung von Emissionen. Häufig fehlen jedoch ganzheitliche Ansätze, die auch entsprechende Recyclinglösungen

mit einbeziehen.

Ein bislang im Automobilbau nur wenig beachteter Vorteil von Faserverbunden ist die hohe Betriebsfestigkeit. Beispielsweise im Flugzeugbau sind Verbunde über 30 Jahre ununterbrochen im Einsatz. Dies wird durch die in Verbunden vorliegende Unterbrechung des Risswachstums begünstigt. Derart lange Einsatzzeiten werden im Fahrzeug bislang nicht erreicht. Im Rahmen des EU-Horizon2020-Forschungsprojekts FiberEUse untersucht EDAG gemeinsam mit dem Fraunhofer IWU und der INVENT GmbH daher die Nutzung von Fahrzeugstrukturen über mehrere Fahrzeuglebenszyklen hinaus. Daraus ergeben sich Potenziale zur Kosten- und Energieeinsparung. Herausfordernd ist dabei die Technologie zum Fügen und Lösen der Bauteile. Die Fügetechnologie sowie die Möglichkeiten zur Inspektion der Bauteile sind daher Teil der Betrachtung. Ziel des Projekts ist die Erforschung einer Plattform für Elektro-Fahrzeuge, die insbesondere für Flottennutzer zum Einsatz kommen können. Gerade im Bereich des Carsharing kann diese Lösung Vorteile erzielen. Ebenso ökologische und ökonomische Betrachtungen finden statt, in denen die Einflüsse der Gewichtsminderung, der Verlängerung der Nutzungsphase des Bauteils auf über 25 Jahre sowie die dafür erforderlichen Inspektions- und Integrationsarbeiten betrachtet werden. Eine Analyse des gesamten Produktlebenszyklus eröffnet hier eine neue Sichtweise auf die Rolle von Leichtbaulösungen im Fahrzeug.

Sprecher/Referent:
Stefan Caba
EDAG Engineering GmbH
Weitere Autoren/Referenten:
  • Hubert Rybak
    EDAG Engineering GmbH
  • Jan Schleicher
    EDAG Engineering GmbH
  • Christopher Orf
    EDAG Engineering GmbH